Tabuthema Demenz ist die kommende Aufgabe
Herrenberg: Adventsstimmung am Tag der offenen Tür im Haus am Sommerrain
Bunte Kerzen, Blumen und Weihnachtskugel stehen auf den Tischen, an den Fenstern hängen Strohsterne und im Hintergrund läuft leise Weihnachtsmusik. Beim Tag der offenen Tür im Haus am Sommerrain herrscht gemütliche Adventsstimmung vor. Man feiert das fünfjährige Bestehen des Altenpflegeheimes am Herrenberger Bahnhof.
Das Altenpflegeheim, das vom Deutschen Roten Kreuz getragen wird, wurde auf den Tag genau vor fünf Jahren eröffnet und bietet insgesamt 75 älteren Menschen Wohnmöglichkeit und Betreuung in Altstadtnähe. Neben Bewohnern in Dauerpflege bietet das Haus auch Kurzzeit- oder Tagespflege an. "Die Kurzzeitpflege richtet sich vor allem an Angehörige, die beispielsweise in den Urlaub fahren wollen", berichtete Irmgard Singer, die das Haus seit der Gründung im Jahr 2006 leitet. Für diese Zeit könnten pflegende Angehörige entlastet werden, die sich sonst rund um die Uhr um ihre Pflegefälle kümmern.
Doch nicht nur das: Das Haus am Sommerrain bietet mit Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte mehrere Gesprächs- und Betreuungskreise an. So zum Beispiel den Gesprächskreis für Pflegende. Dieser wird bereits seit mehreren Jahren von Gisela Hinkel geleitet. "Mit diesem Angebot möchten wir Pflegenden die Möglichkeit geben, sich Hilfe zu holen oder sich mit anderen Menschen auszutauschen, die sich in derselben Situation befinden", erklärte Hinkel.
Das Angebot werde aber immer noch sehr inkonstant angenommen. "Demenz ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft", begründete die Ehrenamtliche. Die Menschen schämten sich dafür, dass sie Demenzerkrankte in ihrer Familie haben und genierten sich, darüber zu sprechen. "Ich würde mir für die nächsten fünf Jahre wünschen, dass wir mit diesem Tabu brechen können", äußerte sich Hinkel. Sie sei sich sicher, dass eine verstärkte Öffnung auch den pflegenden Angehörigen helfen könne, die Belastung, die durch die Betreuung eines Demenzerkrankten entsteht, zu reduzieren.
Ein ähnliches Angebot stellt die Betreuungsgruppe für Alzheimer-Erkrankte dar. "Hiermit wird Angehörigen die Möglichkeit gegeben, einmal in der Woche für drei Stunden frei zu haben", erläuterte Hausleiterin Irmgard Singer. Das durch die "Gäubote"-Weihnachtsaktion "Miteinander - Füreinander" entstandene Angebot sei für viele Familien mit Alzheimerfällen eine wichtige Entlastung im täglichen Leben.
Dass der Begriff "Tag der offenen Tür" nicht nur symbolisch zu verstehen ist, beweist der Alltag im Haus am Sommerrain. Das Pflegeheim ist ein offenes Haus, das auch mit vielen anderen sozialen Einrichtungen in Herrenberg eine enge Kooperation pflegt. "Wir haben oft Schüler bei uns, die ein Praktikum absolvieren", erklärte Irmgard Singer. Außerdem habe man guten Kontakt zu mehreren Kindergärten, die regelmäßig die Bewohner des Hauses besuchten.
Und auch beim Tag der offenen Tür zeigte sich diese Offenheit des Hauses. So unterhielten beispielsweise Flötenkinder des HCK Kuppingen die Bewohner und Besucher des Hauses mit Weihnachtsliedern, die auch gerne mitgesungen wurden. Ebenso boten Herrenberger Apotheken eine kostenlose Beratung an oder verwöhnten Besucher wie Bewohner mit Handmassagen. Und auch die Ehrenamtlichen Helferinnen, die wöchentlich den Sonntagskaffee im Altenpflegeheim organisieren und ausrichten, sorgten für das leibliche Wohl der Gäste und der Bewohner, die alle die gemütliche Adventsstimmung sichtlich genossen. Die Stadtbibliothek präsentierte Lesestoff an einem Bücherstand.
Auch Jürgen Kalbfell und Wolfgang Breidbach, Geschäftsführer der gemeinnützigen Altenpflegeheime GmbH, die als Träger aller elf Altenpflegeheime des DRK im Landkreis Böblingen fungiert, zeigten sich sehr angetan von der Stimmung im fünfjährigen Haus. "Super Atmosphäre, super Leitung, super Haus", fasste Kalbfell zusammen.
Quelle: Gäubote, David Nau



